Mai

8

Der Aufenthalt, in der uns schon bekannten Marina Santa Cruz, verläuft unspektakulär aber auch sehr entspannend. Im Grunde wird der diesjährige Trend fortgesetzt: wir leben mehr unsere Freizeit, als das wir möglichst viel erleben wollen. 5 Tage, an denen wir etwas Bootspflege machen, shoppen, faulenzen, mit unserem Nachbarn Pierre schnacken und gemütlich Leckereien in den Lokalen der Stadt probieren.


Für die 125 Sm bis nach Tazacorte auf La Palma, unserem nächsten Ziel, versuchen wir eine für uns beide passende Wettervorhersage zu finden. Dies scheint die Nacht von Donnerstag auf Freitag und der folgenden Tag zu sein. Raumschotkurs mit 3-5 Bft verspricht einen schonenden Segeltörn. Wir legen gegen 18h ab und motoren wie geplant die 11 Sm bis zum Kap, an Teneriffa´s Ostküste hoch. Dabei passieren wir 3 Aidas und 2 Mein-Schiff-Kreuzfahrtriesen, die dort auf Reede liegen und das Ende der Corona-Einschränkungen abwarten. Zum Sonnenuntergang runden wir das Kap und legen Kurs auf La Palma.
Die ersten Meilen gibt es noch Geschaukel bei Kabbelwelle und mäßigem Wind aus Nord. Im Laufe der Nacht machen wir im Schnitt 5-6 Kn Fahrt auf Raumschotkurs, müssen dafür allerdings weiter nach Norden als wir wollen. Am nächsten Morgen, noch 60 Sm vom Ziel entfernt, ist ein mehr südlicher Kurs angesagt. Zumal der Wind immer weniger wird, ist auch ein Fortkommen unter Schmetterlingsbesegelung (Fock nach Luv und Groß nach Lee) nur mit heftigem Schlagen der Segel möglich. Schon nach einigen Meilen geben wir auf und der Motor bringt uns um das Südkap von La Palma zu unserem Ziel Tazacorte an der Westküste.
Morgens, beim Gang zum Bug der Avalon, entdeckte ich einen Mitreisenden an Deck. Zuerst denke ich an einen fliegenden Fisch, der sich verflogen hat. Doch dann sehe ich, dass dort ein kleiner Kalmar (Tintenfisch) liegt, inzwischen tot. Ich nehme ihn mit nach hinten, um ihn als Köder für unseren ersten Angelerfolg nutzen zu wollen. Steffi macht sich daran, die vergossene Tinte (deshalb heißt der ja auch Tintenfisch) weg zu wischen. Dabei merkt sie, dass eines seiner Augen in der Tinte kleben blieb. Also hatten wir doch tatsächlich einen blinden Passagier an Bord. Unerklärlich ist für uns allerdings, wie so ein Tier an Deck kommt. Wir hatten zwar einige Wellen und auch Spritzwasser kam reichlich über, aber dass damit ein Kalmar an Deck gespült wird, wollen wir nicht glauben. Vielleicht hat ja einer der vielen Delphine, die wir die ganze Nacht neben und unter uns hatten, ein Geschenk an Bord geworfen? Katzen bringen den Menschen ja mitunter auch Mäuse als Liebesbeweis ;-) . Aber die Häufigkeit und Dauer der Delphinbesuche hat uns wirklich fasziniert. Immer wieder, wenn man schon gar nicht mehr an sie gedacht hat, macht es in der Dunkelheit neben einem einen lauten Platsch, wenn sie nach einem Sprung wieder im Wasser landen oder ein lautes Pusten, wenn sie über Wasser ausatmen. Wirklich eine angenehme Begegnung und lustige Unterhaltung auf Nachtwache.
Übrigens blieb der Angelerfolg abermals aus. Unser Kalmar hat nicht geholfen.
Tazacorte ist ein kleiner Ort oberhalb des Hafens inmitten von riesigen Bananenplantagen, welche die gesamte Westküste bis zum Kap säumen. Oberhalb davon geht es steil hinauf zur Bergkette, welche die Insel überzieht. Der Hafen selber ist eine Idylle. Ruhig gelegen, mit netter Gastronomie, einigen Fischerbooten und jede Menge Langfahrtseglern, die sich auf fernere Ziele vorbereiten oder wie wir hier eine schöne Zeit verbringen, ist der Hafen von einer mächtigen und architektonisch interessanten Hafenmauer umgeben. Auch der nach Westen schauende Betonkamerad ist ein Hingucker. Vielleicht sieht er ja von da oben am Horizont Amerika. Wir sind am westlichen Ende des Archipel´s und von hier aus gibt es kein Land mehr bis zum ca. 3300 Sm entfernten Florida im Westen.

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