Jan

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Bevor wir in der Marina von Mindelo anlegen können, müssen die ausgebaumten Spinnakerbäume wieder befestigt, alle Leinen klar gemacht sowie Festmacher und Fender vorbereitet werden. Dazu fahren wir im Ankerfeld vor der Marina auf und ab. Hier liegt so mancher Seelenverkäufer wohl schon einige Jahre. Hier ist der letzte Absprung Richtung Karibik und nicht alle schaffen den. Das Marinapersonal gibt uns das okay für einen Liegeplatz.

Bei lautem Getrommel aus einer Gastronomie an Land gelingt das Anlegemanöver sehr gut. Der erste Eindruck von Insel und dem Städtchen ist nicht so, dass man euphorisch wird. Aber wir sind da und genießen das erste Anlegerbierchen. Danach geht es zur Anmeldung. Marineros und Personal sind sehr gut und wirklich freundlich. Direkt neben dem Büro ist ein Lokal auf einem Schwimmponton. Dort sitzt die versammelte Seglergemeinde. Von Aussteigern über Bootshitchhikern, Langfahrtseglern mit gegerbter Haut, Familien mit Kindern und alle sind aus allen Herren Ländern, wobei die Franzosen wohl in der Mehrzahl sind. Auch wir gesellen uns dazu auf einen leckeren Caipirinha. Da wir nicht lange auf den Kapverden verweilen wollen, muss ein Schlachtplan erstellt werden, wie wir die vielen noch zu erledigenden Dinge hin bekommen. Heute wird aber nicht mehr viel passieren, da wir sehr erschöpft sind und zum Essen von Bord wollen. Boot und Besatzung wird aufklariert und dann geht es schwankenden Schrittes in die Stadt. Inzwischen ist es dunkel und wir wissen nicht so recht, wo wir hin sollen. Kurz entschlossen wird ein Passant gefragt und der gibt uns gleich 6 Empfehlungen auf die Frage nach „good Food“. Am nächsten gelegen ist ein Hotel, wo wir so kein Restaurant erwartet hätten. Als wir sitzen, merken wir, dass es das Lokal ist, aus dem vorhin die lauten Trommeln klangen. Auch jetzt wird gerade ein Auftritt vorbereitet. In der Wartezeit auf unser bestelltes Dinner sind wir Zuschauer von einer Show einer Sambaschule. Direkt hinter der Bühne sitzend, mit bester Aussicht, können wir es gar nicht fassen, wie schnell man Hinterteile bewegen kann. Aber auch die Qualität des Essens ist ausgezeichnet. Somit gehen wir hoch zufrieden und gesättigt zurück auf´s Boot und fallen in einen tiefen, festen Schlaf.

Die Carpe Diem mit Klaus und Nadja sind 3 Tage nach uns gestartet. Daher erwarten wir sie am 11.1. in Mindelo. Das könnte also gerade so klappen, sie zu sehen, bevor wir weiter segeln. Für uns alle gibt es Probleme mit der Kommunikation. Das W-Lan im Hafenlokal ist schlecht und total überlastet. Mit unseren Handys können wir wohl telefonieren, allerdings haben wir keinen Internetempfang. Auch meine Kurzwellenfunkanlage kann ich hier vergessen. Daher bekommen wir keine Nachrichten von Carpe Diem und auch sonst ist es langwierig und schwierig, Bankgeschäfte und alles andere in gewohnter Weise zu regeln.

Nachdem ich uns im Immigration Office einklariert habe, versuche ich einen Raymarine-Händler zu finden, der uns bei der kaputten Logge helfen kann. In der Tat, ich finde jemanden, der auch tatsächlich das benötigte Teil auf Lager hat und es am nächsten Tag einbauen will. Unsere Zeit in Mindelo fliegt dahin mit Erledigungen. Die neue Waschmaschine wird ausgiebig genutzt. Wir werden in sauberer Bettwäsche und sauberer Kleidung starten. Auch wird alles das repariert und verbessert, was auf dem ersten Schlag nicht so funktionierte. Zudem müssen wieder frische Lebensmittel aufproviantiert werden. Wir bekommen wie zugesagt auch unsere neue Logge. Somit sind wir fit für die Weiterfahrt. Über Steffi erfahren wir, dass Carpe Diem wohl noch einen Tag später eintreffen wird. Da Uwe und Jens nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht und sie diese lieber in der Karibik verbringen möchten, planen wir unsere Abfahrt auf den 11.1. Tags zuvor gehe ich wieder zu den Behörden um auszuklarieren und meine dort deponierten Bootspapiere wieder in Empfang zu nehmen. Abends gehen wir noch in ein nettes Lokal. Dort esse ich das kapverdische Nationalgericht Cachupa. Dies ist ein Eintopf mit Bohnen, Mais, Kohl, Fleisch und viel anderem Gemüse. Dieses sehr günstige Gericht schmeckt mir außerordentlich gut und ist mal eine Abwechslung zu den gewohnten Mahlzeiten.

Bevor wir am Tag der Abreise ablegen können ist natürlich immer noch was zu tun. Dazu kommen diesmal aber auch sehr herzliche Telefonate mit den Lieben zu Hause, denn jetzt geht es wirklich rüber über den Atlantik und für 2-3 Wochen ist die gewohnte Kommunikation nicht mehr möglich. Unsere gerade kennen gelernten Bootsnachbarn verabschieden uns und werfen die Leinen los. Wir fahren noch kurz zur Tankstelle um die Dieselvorräte aufzustocken und dann geht es los…. Mit Euphorie geht es in unser gemeinsames Abenteuer, endlich.

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